Wissenschaft beginnt, wenn etwas an der gewohnten Welt ,gedreht‘ wird. Religion hingegen stellt sich vorzugsweise als etwas Statisches dar, als ewiger Wille Gottes, der nicht manipuliert werden darf. Besonders der Islam gilt vielen – Musliminnen en wie NichtMusliminnen en – als unveranderlich, was insofern gerechtfertigt ¨ erscheinen mag, da der Koran sich selbst als unmittelbares Gotteswort versteht. Zudem beharrt er auf der Klarheit seiner Botschaft, warnt, seine Bedeutungen zu entstellen oder gar ihn zu plagiieren. Diese Selbstheiligung der koranischen Schrift andert aber nichts daran, dass sie an und ¨ fur sich eine Wende in der Weltanschauung darstellt und ¨ von daher als ,Wissenschaft‘ gelesen werden kann. Dies umso mehr, als eben nicht so klar ist, worin diese Wende denn eigentlich besteht. Auch wer sich um Wortwortlichkeit ¨ in seiner Lesart bemuht, kommt nicht umhin, das Wort ¨ Gottes auszulegen. Denn selbst wenn dieses urewig ist, wir sind es nicht und unser Verstandnis von den Dingen ¨ erst recht nicht. Daher benotigen wir, um ¨ uberhaupt vom ¨ ,Islam‘ sprechen zu konnen, die Philosophie, die sich ¨ uber ¨ unser Weltverstehen Klarheit verschafft, genau wie die Theologie, die sich mit dem Gotteswort auseinandersetzt, und die Mystik, die dem Denken die unmittelbare Erfahrung gegenuberstellt. Unter ,islamisch‘ wird wiederum nicht nur ¨ die wissenschaftliche Tradition der Musliminnen e verstanden, sondern viel allgemeiner die Beschaftigung mit den vom ¨ Koran aufgeworfenen Fragen, die somit keineswegs nur von muslimischen Wissenschaftlerinnen n beantwortet werden mussen.